Sonntag, 05.05.2013, 11.00 Uhr
Finissage zur "1. Buchforster Kunstmeile – Kunst in und aus Buchforst"

Die 1. Buchforster Kunstmeile ging bei strahlendem Sonnenschein mit einem Abschlussrundgang äußerst erfolgreich zu Ende. Mit ca. 70 Kunstinteressierten wurde die „Meile“ letztmalig, zusammen mit den Künstlern/innen, beschritten. Alle Anwesenden waren sich bei anschließendem Sekt, Selters und Snacks einig, dass die Kunstmeile ein voller Erfolg war. Ein Erfolg, der nachhaltig wirken soll! Das ein und andere Kunstprojekt wird hoffentlich mit dieser Finissage starten. Ideen haben wir heute genügend ausgetauscht.

Nun heißt es dran bleiben! Ideen zu weiteren Kunstaktionen in Buchforst will der Runde Tisch Buchforst e.V. gerne unterstützen. Bitte melden Sie sich über das Kontaktformular auf dieser Internetseite oder direkt bei Frau Kessler im Stadtteilzentrum I!

Die erste "Kunstmeile Buchforst" ist ein voller Erfolg

VON JÜRGEN KISTERS (Kölner Stadtanzeiger)

Buchforst - Kaum jemand, der nicht in Buchforst wohnt, weiß etwas über diesen Stadtteil. Es ist der kleinste Kölns, eingezwängt und abgeschnitten zwischen Bahnlinie, Stadtautobahn und anderen großen Straßen. Sozialer Brennpunkt, hoher Migrantenanteil ist alles, was gewöhnlich über die Statteilgrenzen hinaus über Buchforst gesagt und geschrieben wird. Umso größer ist daher die Überraschung, dass sich die Gegend um die Straßenkreuzung Heidelberger Straße/Waldecker Straße jetzt mit einer Kunstmeile präsentiert. Über zweihundert Menschen waren am Sonntagmorgen auf den Beinen, um in den Schaufenstern von sechzehn Läden und mehreren Sozialeinrichtungen ein wunderbares Spektrum künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten zu erleben. Wie eine Kunstkarawane oder Prozession zogen die Buchforster Bürger und auswärtigen Besucher von Ausstellungsort zu Ausstellungsort und stellten die Besucherzahlen der Kunstmeilen in anderen Stadtteilen schon bei dieser ersten Ausgabe in den Schatten. Ein fantastischer, unerwarteter Erfolg des Projektes, das am „Runden Tisch Buchforst“ aus der Taufe gehoben wurde. Dort, am Runden Tisch“ im Stadtteilzentrum an der Eulerstraße kommen regelmäßig interessierte Bürger und Mitarbeiter des Buchforster Statteilzentrums zusammen, um wichtige Themen aus dem Stadtteil zu diskutieren. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Stadtteilzentrums hatten sie sich vor Monaten überlegt, wie sich das Jubiläum am Besten feiern ließe. „Wir suchten nach etwas, das alle Bürger von Buchforst verbindet. Junge und Alte, Alteingesessene und Migranten, Arme und Gutsituierte, Geschäftsleute, Lehrer und Sozialpädagogen“, erklärt Ute Asselborn vom Vorstand des Runden Tisches Buchforst. „Die Idee der Kunstmeile erscheint uns ideal. Nicht nur weil Kunst die Wahrnehmung und die Kommunikation belebt. Auch weil sie den sonst eher unscheinbaren Stadtteil in schönen Farben zeigt“. Die Initiatorin und Hauptorganisatorin des Kunstmeilenprojektes freut sich ganz besonders darüber, dass es gelungenen ist, für die Kunstmeile ausnahmslos Künstler aus dem Stadtteil zu gewinnen. „Alle leben oder arbeiten hier“ sagt Asselborn, die selbst in Buchforst wohnt.

Ließ sich die Künstlersuche am Anfang noch schleppend an, meldeten sich schließlich so viele Kreativschaffenden, dass nicht genug Orte da waren, um alle in das Projekt einzubeziehen. „Im nächsten Jahr sind sie dabei“, sagt Asselborn und formuliert bereits am Eröffnungstag das in die Zukunft weisende Fazit. Tatsächlich waren Künstler und Kunstmeilenbesucher hoch zufrieden mit dem Ablauf der Eröffnungsveranstaltung. Begeistert sahen sie in den Schaufenstern der Sparkasse KölnBonn die Werke der 88-jährigen Ottilie Romm. Die studierte Künstlerin, frühere Studienrätin für Kunsterziehung und älteste Teilnehmerin an der Kunstmeile zeigte expressionistische Landschafts- und Blumenmalerei vom Feinsten. Ähnlich expressiv sind auch die Tierbilder der jüngsten Teilnehmer, ausgestellt in der Jugendeinrichtung area51. Kinder aus der Grundschule Kopernikusstraße malten sie unter Anleitung des Künstlers Karl Fuck. Viele Künstler sagten vor ihren Werken ein paar erläuternde Worte zu ihren Kunstwerken. So erzählte der aus dem Sudan stammende Abdelhag El Dodo, wie er die im Schaufenster Damen- und Herren-Frisiersalon Hart ausgestellten Holzstämme in der bildnerischen Tradition seiner Herkunft mit farbkräftigen Gesichtern bemalt. Im Gegensatz zu dem studierten Künstler, Designer und Politikwissenschaftler betonte Jutta Goldbach ihren Status als „Hobbymalerin“, die „viele künstlerische Techniken in Kursen an der Volkshochschule erlernte“. Malerei ist für sie einerseits Entspannung, andererseits die Entdeckung neuer Möglichkeiten, was in der Präsentation in der Linda-Apotheke von Naturbildern bis zur Darstellung des Menschen reicht. Monika Streubesand, deren Bilder in der Schaufenstermauer neben der früheren Greifen-Apotheke zu sehen sind, sprach von ihrer Vorliebe für das Farbleuchten in der Aquarellmalerei. Und Firas Al-Ahmedi, der vor einem Jahr nach Buchforst zog, nannte seine im Bestattungshaus Schmitz ausgestellte Variante der inszenierten Fotografie „eine Möglichkeit seelische Zustände zum Ausdruck zu bringen“. Ausgehend von der Vielfalt der gezeigten Kunstwerke gerieten viele Kunstmeilenbesucher in angeregte Schwätzchen über die Kunst und das Leben. „Das ist Wahnsinn, man sieht das Viertel mit anderen Augen“, bilanzierten nicht wenige. Dass sie nach dem Rundgang noch lange im Stadtteilzentrum verweilten, spricht für die guten Impulse, die seit zehn Jahren von der Einrichtung ausgehen. Das Stadtteilzentrum selbst wird am 27. April mit einem Tag der Offenen Tür in seinen Aufgaben und in seiner bisherigen Tätigkeitsbilanz vorgestellt.

Die Kunstmeilen-Ausstellungen in den Buchforster Geschäfts-Schaufenstern  können bis zum 5. Mai besichtigt werden. Das Stadtteilzentrum Buchforst, Euler Straße 11, ist mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet.